23-Single-Was stimmt nicht mit dir…?
Du bist auf einem Familienfest und du siehst diese Blicke. Onkel, Tanten, Omas, Opas alle da. Deine zu blonde und zu arrogante Cousine reicht ihr neugeborenes Balg rum, damit es jeder Mal ansabbern kann, ganz nebenbei funkelt der Diamanten 3-Tonner an ihrem rechten Ringfinger und während der ganzen „Oooohs“ und „Aaaahs“ spürst du, wie jeder mitleidige Blick in deine Richtung dir einen weiteren Buchstaben des Wortes „“ auf die Stirn brennt. Ja das ganze familiäre Mitleid konzentriert sich auf dich, 23-single-bedauernswert.
Tapfer hälst du dich an deinem Glas das voll Alkohol ist, der viel zu wenig Prozent für deinen Geschmack hat, fest und hoffst, dass irgendwo in der Nähe ein Blitz einschlägt oder dass jemand plötzlich nackt durch den Raum läuft, weil das das einzige wäre, was sie von dir ablenken könnte.
Und wenn du denkst, dass es eigentlich nicht mehr schlimmer werden kann, kommt irgendeine Tante und fragt dich nach deinem Exfreund mit dem schon lange Schluss ist. Du erklärst ihr tapfer, dass ihr nicht mehr zusammen seid und dass es besser so ist auch wenn es schwer war. Und dabei merkst du ganz genau, dass sie dir nicht zuhört sondern nur auf einen schwachen Moment wartet, an dem du Luft holen musst um dir ihre Lebens- und natürlich Liebesgeschichte vor dein bemitleidenswertes Singleherz zu kotzen.
Als sie noch jung war, sei das ja alles ganz anders gewesen. Die Frauen, ja die hätten damals noch gewusst, wo ihr Platz sei und die Männer, ja die wären noch richtige Männer gewesen. Nicht solche Waschlappen wie die „Männer“ heute. Du nickst brav und wünscht dir sehnlichst den Tod… Deinen, ihren… Egal… Hauptsache das Gespräch hat ein Ende. Deine Generation wisse ja gar nicht wie gut sie es habe. Damals als sie noch jung war, ja da wären Männer und Frauen noch aufeinander angewiesen gewesen und die Frauen, die hätten alle nur eine Aufgabe gehabt, nämlich ihren Männern den Rücken zu stärken. Die Frauen heutzutage, die würden sich viel zu sehr anstellen. Ich sollte mir einfach ans Herz fassen und einen Infarkt vortäuschen. Wenn man single ist, dann könne man doch nicht glücklich sein. Jede Frau braucht einen Mann. Und sie verstehe das alles nicht, du seiest doch eine gute Partie. Schließlich seiest du doch hübsch und klug und so was ähnliches wie witzig. „Warum bist du denn single?“ 3…2…1… Jetzt… Komm schon… Fass dir ans Herz. Stattdessen stotterst du ein paar zusammenhanglose Worte, die sie an der dir eben zugesprochenen Intelligenz zweifeln lassen und erklärst ihr, dass du mal ganz dringend auf Klo müsstest.
Im Waschraum vor dem Spiegel kommen dann die hässlichen kleinen Zweifel, die dir deine Freunde sonst immer ausreden und denen du nur zu gerne glauben würdest.
Stimmt mit mir wirklich etwas nicht?
Alle anderen bekommen es doch hin, nur ich nicht.
Ich bin schon 23 und was habe ich vorzuweisen?
Werd ich jemals jemanden finden und eine Familie haben, so wie ich es mir wünsche?
Dann machst du, was du immer machst. Du straffst deine Schultern, hebst den Kopf und denkst dir: Scheiß drauf! Ich bin toll! Irgendwann kommt er schon.
Voller Elan leerst du dann dein Weinglas, dass schon den ganzen Tag treuherzig nicht von deiner Seite gewichen ist und ziehst dir den Lippenstift nach.
Du gehst zurück, tötest die Tante mit Blicken und setzt dich ans andere Ende des Raumes. Nach ein paar Minuten wiegst du dich in Sicherheit und fängst an ein bisschen Spaß zu haben, bis dann der Moment kommt, an dem der Minimann eine Runde durch sämtliche Arme der im Raum Anwesenden gedreht hat und irgendjemand ihn dir hinhält. Verstört und von Blicken durchbohrt schaust du zwischen Baby und Weinglas hin und her. Und du weißt, wenn du dich jetzt für den Wein entscheidest, dann ist die große Frage des Tages für alle beantwortet. Du bist single weil du Kinder hasst und alle Männer auf dieser Welt, weil sie ja potentielle Väter sind. Und du wirst für immer immer immer allein sein, oder schlimmer: Lesbisch werden. Die Menge hält den Atem an, du stelltst das Weinglas weg, nimmst das Baby auf den Arm, quiekst ein Schlagbohrerlautes „Ooooooooh wie süüüüüüüüüüüüß“. Und es geht ein erleichtertes Aufatmen durch den Raum, während du wehmütig zum Weinglas blickst und dir Junior auf das Satintop sabbert.